Konzepte

1. Schritt

Auftrag, Zuständigkeiten und Haltungsfragen klären

1.1 Auftrag für die Konzeptentwicklung einholen

Die Entwicklung eines Kommunalen Konzepts kann nicht ohne den grundsätzlichen Willen der kommunalen und/oder politischen Entscheidungsträger beginnen. Das Kommunale Konzept legt die strategische Ausrichtung in dem Handlungsfeld der Integration neu zugewanderter Kinder und Jugendlicher dar, dies beinhaltet auch die Entscheidung über die zeitlichen und personellen Ressourcen. Ein Kommunales Konzept dient in erster Linie als praktisches Arbeitsinstrument für die Akteur*innen der kommunalen Bildungslandschaft vor Ort. Neben der ausführlichen Beschreibung konkreter Ziele und Aktivitäten sollte es gleichwohl auch eine Kurzfassung für politische Entscheidungsträger*innen enthalten, die die wesentlichen Punkte knapp umreißt. Eine ausführliche Definition und Beschreibung eines möglichen Kommunalen Konzeptes finden Sie hier.

In den meisten Fällen entscheidet die/der entsprechende Dezernent*in des zuständigen Dezernates/Fachbereichs (Integration, Bildung, Jugendhilfe etc.) unter Berücksichtigung der Passung in die kommunale Gesamtstrategie darüber.

Ideen oder Anregungen zur Konzeptentwicklung können dabei von unterschiedlichen Akteuren an die Entscheidungsebene herangetragen werden. Da die schulische Integration eine zentrale Rolle spielt, sind auch die Schulaufsichten der beteiligten Schulformen von Beginn an zu informieren und in dem Prozess zu beteiligen. Auch im Rahmen von Bildungsprojekten kann der Auftrag zur Konzeptentwicklung benannt werden. In den beteiligten Projektkommunen ging die Entscheidung durch den Projektauftrag von den jeweiligen Dezernent*innen aus.

Oftmals ist die Grundlage für den Auftrag zur Konzeptentwicklung durch vereinbarte Schwerpunkte in den Kommunen bereits gegeben oder sollten durch eine schriftliche Erklärung oder eine entsprechende Beschlussvorlage vor Beginn des Prozesses eingeholt werden.

Weitere Infos

 

1.2 Kommunale Konzepte in die Gesamtstrategie einbinden

Im Bildungsbereich sind in eine Vielzahl an Landes-, Bundes- und Stiftungsprojekten initiiert worden. Auf kommunaler Ebene bleibt die Herausforderung, die oft zeitlich begrenzten Projekte in die kommunale Gesamtstrategie einzubinden. Um Parallelstrukturen zu vermeiden, ist es gerade zu Beginn eines Projektes wichtig zu klären, wo die Schnittstellen zu weiteren Bildungs- und Integrationsprojekten liegen, und ob man vorhandene Steuerungsstrukturen nutzen kann. Außerdem ist zu klären, welche Aspekte ein Kommunales Konzept in der eigenen Kommune beinhalten soll, welchen Stellenwert und welchen Umfang es einnehmen soll und welche Verknüpfung zu bereits vorhandenen Konzepten hergestellt werden kann. Den beteiligten Kommunen war es von Beginn an wichtig, die bereits vorhandenen Konzepte aufeinander abzustimmen und mit dem neuen Kommunalen Konzept kein paralleles und zusätzliches Konzept zu erstellen.  Alle Angebote, Konzepte und Prozesse rund um die Themenfelder „Zuwanderung“, „Bildung“ und „Integration“ sollten gebündelt, transparent dargestellt und gemeinsam vereinbart werden.

 

Eindrücke aus den Kommunen

Bochum

Bochum

In Bochum wird das Kommunale Konzept als ein Teil in der Bochum Strategie 2030 angesehen. Bochum Strategie 2030

Mülheim an der Ruhr

Mülheim an der Ruhr

In Mülheim an der Ruhr steht das Kommunale Konzept eng im Zusammenhang mit dem bereits vorhandenen Integrationskonzept und stellt einen spezifischen Teil dar, in dem nochmal explizit die Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen fokussiert wird. Integrationskonzept Mülheim an der Ruhr

Kreis Recklinghausen

Kreis Recklinghausen

Im Kreis Recklinghausen soll es als kreisübergreifendes Konzept zur Integration von neu zugewanderten Schülerinnen und Schülern dienen und allen zentralen Akteur*innen einen Überblick über die Angebote und Strukturen verschaffen.

Hier angefügt sind Hinweise zur Einbindung der Kommunalen Konzepte in die Gesamtstrategien der Partnerkommunen:

  • Siehe Kommunales Konzept der Stadt Mülheim an der Ruhr: Kapitel 1. Das Kommunale Konzept zum Projekt Wegbereiter, Kapitel 2.4 Koordinierungsstelle Bildung Kommunales Integrationszentrum, Kapitel 2.4.1 Integrationskonzept
  • Siehe Kommunales Konzept der Stadt Bochum: Kapitel 2.1.1 Handlungsfelder im Kontext der „Bochum Strategie 2030“
  • Bochum Strategie 2030 als Beispiel einer Gesamtstrategie einer Kommune zum Download

1.3 Operative und strategische Projektsteuerung klären

In gemeinsam geführten verwaltungsinternen Gesprächen ist auszuhandeln, wie eine Steuerung des Entwicklungsprozesses an der Schnittstelle zwischen strategischem und operativem Handeln aussehen kann. Die Regionalen Bildungsnetzwerke mit ihren RBB‘s sowie den KI‘n sind in kommunalen Bildungs- und Integrationsprojekten wesentliche Institutionen für die operative sowie strategische Ausgestaltung solcher Prozesse. In der Regel geben sie den Anstoß für die Initiierung und Weiterentwicklung bildungs- und integrationspolitischer Vorhaben. Das kann jedoch von Kommune zu Kommune unterschiedlich sein. Jede Kommune muss daher vorab klären, wer die Federführung übernimmt und welche weiteren Akteur*innen innerhalb und außerhalb der Verwaltung direkt mit in den ersten Prozess einzubeziehen sind. Je nach kommunaler Verantwortung können auch andere Akteure oder Institutionen einen Anstoß zu diesem Prozess liefern.

Auch hier sind große Unterschiede im Vorgehen der einzelnen Kommunen zu erkennen. Es besteht die Möglichkeit ein Kernteam zur Erarbeitung des Konzepts zu gründen und Zwischenergebnisse mit weiteren zentralen Akteur*innen zu teilen oder aber einen sehr partizipativen Prozess anzustoßen und möglichst viele Akteur*innen direkt mit in die Entwicklung des Konzepts einzubeziehen.

Hierzu einige Eindrücke aus den Kommunen:

Bochum

Bochum

In Bochum erfolgte die Entscheidung zur Konzeptentwicklung durch das Dezernat Bildung, Kultur und Sport. Die Federführung hat sowohl die Leitung des Regionalen Bildungsbüros als auch die Leitung des Kommunalen Integrationszentrums übernommen. In Bochum wurde aufgrund eines Personalwechsels letztendlich das KI als federführende Institution für die Erstellung des Konzeptes, in enger Abstimmung mit dem RBB festgelegt. Eine enge Zusammenarbeit und ein regelmäßiger Austausch zwischen den zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der zentralen Institutionen (KI und RBB) konnte dadurch etabliert werden. Die einzelnen Aufgaben, wie die Umsetzung von Aktivitäten und das Schreiben des Kommunalen Konzeptes, wurden zwischen den beiden Organisationen und mehreren Personen aufgeteilt. Dies setzt eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit regelmäßigen Austauschstrukturen voraus. Für die weitere Erarbeitung konnten auf einige bestehende Netzwerkstrukturen zurückgegriffen werden wie beispielsweise auf den vorhandenen Lenkungskreis oder das Austauschtreffen der Multiprofessionellen Teams der Berufskollegs.

Mülheim

Mülheim

In Mülheim entschied das Dezernat Bildung, Soziales, Jugend, Gesundheit, Sport und Kultur über die Entwicklung eines Kommunalen Konzeptes. Die Federführung wurde dort an das Amt für Kinder, Jugend und Schule übergeben, in dem sowohl das Kommunale Integrationszentrum als auch das Regionale Bildungsbüro angesiedelt sind. Aufgrund der räumlichen Nähe und einer gemeinsamen Leitung beider Institutionen waren Abstimmungsprozesse gut zu organisieren. Die Federführung der Konzeptarbeit wurde in Mülheim an der Ruhr vom Bildungsbüro übernommen. Für die weitere Projektumsetzung wurden die Themen in der Schulleiterdienstbesprechung sowie vorhandenen Arbeitskreisen miteingebracht.

Kreis Recklinghausen

Kreis Recklinghausen

Im Kreis Recklinghausen hat der Fachbereich Gesundheit, Bildung und Erziehung den offiziellen Auftrag erteilt und die Projektleitung an das Regionale Bildungsbüro übertragen. Es gab zuvor einige Austauschtreffen zwischen dem KI und dem RBB, aber erst durch die gemeinsame Planung und Umsetzung des Projektes und des Kommunalen Konzeptes konnte ein geregeltes Austauschformat etabliert werden. Sowohl die räumliche Distanz zwischen den beiden Institutionen als auch die verschiedene Ansiedlung im Organigramm des Kreises stellte zu Beginn eine große Herausforderung dar. Federführend lag die Erarbeitung beim RBB, da dieses im Fachbereich Gesundheit, Bildung und Erziehung im Kreis mit Sitz in Recklinghausen angesiedelt ist. Das KI ist hingegen beim Fachbereich Soziales angedockt und hat sowohl einen Sitz in Recklinghausen als auch ein Büro in Gladbeck. Durch die Erarbeitung des Kommunalen Konzeptes musste eine enge Abstimmung beider Institutionen gewährleistet werden, wodurch ein regelmäßiger Austausch eingeführt werden konnte. Das KI wurde in die Ausarbeitung des Konzeptes mit seiner fachlichen Expertise und Nähe zu den Schulen intensiv mit einbezogen. Im Kreis Recklinghausen wurden zudem noch weitere Steuerungsstrukturen aufgebaut, denn es gab zu Beginn des Projektes keinen geregelten kreisweiten Austausch aller zehn kreisangehöriger Städte zwischen Institutionen, die mit Neuzugewanderten arbeiten. So konnte ein Netzwerk etabliert werden, in dem sich nun Bildungsakteure des gesamten Kreises in regelmäßigen Abständen zusammenfinden und sich zu bestimmten Themen rund um Neuzuwanderung austauschen und zusammenarbeiten. Über dieses neue Netzwerk konnten die wichtigen Informationen sowie der Projekt- und Zeitplan übermittelt und abgestimmt werden. Die Zusammenarbeit mit den relevanten Akteur*innen in Bezug auf die Praxiserprobung und die Konzeptentwicklung wurde dadurch gewährleistet.

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