Konzepte

6. Schritt

Ziele konkretisieren sowie Aktivitäten und Kooperationen initiieren

In der Praxis führte die Befragung der Akteur*innen und der Zielgruppe zu neuen Erkenntnissen, Fakten und Bedarfen. Dies ermöglichte wiederum die Konkretisierung der Ziele.
Werden Ziele in einem gemeinsamen Aushandlungsprozess formuliert, bewirkt dies  eine höhere Identifikation der Beteiligten mit der weiteren Vorgehensweise. Die Konkretisierung der Ziele und die Auswertung der Befragung bilden eine wesentliche Grundlage, um gemäß der Bedarfe konkrete Aktivitäten vor Ort zu entwickeln. Hilfreich ist grundsätzlich, die Auswertungsergebnisse zu priorisieren und daraufhin mit ersten handhabbaren Maßnahmen zu beginnen. Denn so werden die Initiator*innen und die Kooperationspartner*innen nicht überfordert und das Kommunale Konzept nicht überfrachtet.

Mit der Initiierung von weiteren Aktivitäten, Mikroprojekten und neuen Kooperationen können die Bedarfe vor Ort gedeckt werden. Zu Beginn sollte allerdings geprüft werden, ob bereits Angebote in der Kommune vorhanden sind, die transferiert oder angepasst werden können. Es ist nicht zwingend notwendig, neue Aktivitäten anzubieten, wenn auf Erfahrungswissen und bewährte Aktivitäten zurückgegriffen werden kann und die Ziele auch damit erreicht werden können.

Die Rolle der Projektleitung besteht in diesem Schritt darin, den Status zu überprüfen. Dazu gehören Fragen wie:

  • Sind die Ziele weiterhin deckungsgleich mit den strategischen Zielen der Kommune?
  • Kann der Zeitplan eingehalten werden?
  • Entstehen Kosten, die bisher nicht eingeplant waren?
  • Müssen Zwischenergebnisse, wie die Priorisierung der Ziele und die erste Maßnahmenplanung, mit der Führungsebene, dem Lenkungskreis oder anderen Gremien besprochen werden?

6.1 Aktivitäten

Aus der Bedarfsabfrage und nach einer Überprüfung der bereits bestehenden Angebote lassen sich nun weitere konkrete Aktivitäten zur Zielerreichung initiieren und neue Kooperationen schließen. Auch hier sind die beteiligten Kommunen unterschiedlich vorgegangen, um auf die entsprechende Situation vor Ort zu reagieren. Beispielsweise können konkrete Aktivitäten in Form von Fort- und Weiterbildung für die Akteur*innen angeboten oder aber Schul- und Unterrichtsentwicklungsbegleitung direkt vor Ort in den Schulen initiiert werden. Weitere Aktivitäten aus den Partnerkommunen finden Sie in den Aktivitätenbeschreibungen unter: https://www.wegbereiter.ruhr/aktivitaeten-mikroprojekte.

Das Kommunale Konzept sollten im besten Fall alle vorhandenen Aktivitäten und Projekte der Kommune zu diesem Thema bündeln: Aufgeführt werden sollte alles, was zur Zielerreichung und zur Unterstützung der Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen beiträgt und sich für eine Fortführung, eine dauerhafte Verstetigung oder für einen Transfer bewährt hat.

Die folgenden Maßnahmen stellen lediglich Ergänzungen zu den bereits vorhandenen Aktivitäten der einzelnen Kommunen im Bereich der Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen dar. Die unten aufgeführten Aktivitäten sind im Verlauf des Projektes entstanden. Sie decken die Bedarfe ab, die bei der Erhebung zu Beginn ermittelt wurden, jedoch noch nicht durch bestehende Angebote bearbeitet werden konnten.

Bochum

Bochum

  • Netzwerklandkarte
  • wiederkehrende Bedarfsabfrage
  • Workshopreihe
  • Übergangsveranstaltung mit Dolmetscher*innen
  • gemeinsame Qualifizierungsreihe mit den Partnerkommunen
Mülheim an der Ruhr

Mülheim an der Ruhr

  • Schul- und Unterrichtsentwicklung an den beteiligten Projektschulen
  • gemeinsame Qualifizierungsreihe mit den Partnerkommunen
Recklinghausen

Recklinghausen

  • Kreisweite Netzwerkgründung
  • Partizipativer Prozess zur Konzeptentwicklung
  • Gemeinsame Qualifizierungsreihe mit den Partnerkommunen

Die Rolle der Projektleitung besteht in diesem Schritt darin, anhand der Ergebnisse der Bedarfsabfrage konkrete Aktivitäten zu planen und umzusetzen. Zudem initiiert sie bei Bedarf neue Kooperationen. 

 

6.2 Mikroprojekte

Ziel der Mikroprojekte

Mit der Förderung von Mikroprojekten konnten konkrete, innovative Ansätze erprobt werden, die förderlich sind, um neu zugewanderte Kinder und Jugendliche in das Bildungssystem zu integrieren. Dazu zählte zum Beispiel die Entwicklung außerschulischer Lern- und Sprachförderangebote, aber auch auf die Zielgruppe bezogene Angebote aus dem Bereich der kulturellen Bildung oder des Sports. Es konnten außerdem Projekte verschiedener Schulformen sein, die vor allem neu zugewanderten Schüler*innen den Zugang in den Schulalltag erleichtern.
Mit der Förderung sollen vor Ort in den Kommunen insbesondere Maßnahmen unterstützt werden, die auf die Integration in das Schulsystem und den Bildungserfolg von neu zugewanderten und geflüchteten Kindern und Jugendlichen einwirken. Deswegen sollen Projekte in den Vordergrund rücken, die innerhalb der Kommune langfristig

  • eine verbesserte Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in das Bildungssystem ermöglichen und fördern
  • umfassende Handlungskonzepte für einen reibungslosen und guten Zugang zum Schulsystem und anderen Bildungseinrichtungen entwickeln
  • Informationen zum Bildungswesen und zu den Übergängen vermitteln
  • interkulturelle Kompetenzen stärken
  • außerschulische Lern- und Förderangebote (auch für die Zeit der Schulferien) etablieren
  • Angebote aus dem Bereich der kulturellen Bildung und des Sports einbeziehen
  • einen Pool an Materialien für Schulen und/oder Eltern aufbauen
  • Coaches, Bildungslotsen, interkulturelle Berater*innen, Dolmetscher*innen etc. ausbilden
  • Austauschplattformen bieten und Vernetzung fördern
  • Ängste, Vorurteile und Klischees abbauen

Teilnahmebedingungen

Für die Mikroprojekte stand den Antragsteller*innen eine Förderung von bis zu 5.000 € zur Verfügung. Antragsberechtigt waren sowohl Schulen und Volkshochschulen als auch Träger der Jugendpflege. Darüber hinaus waren Organisationen antragsberechtigt, die gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen. Dazu gehören unter anderem Eltern-, Familien- und Schülerverbände, Migrantenorganisationen, Sozialverbände, Sport- und Kulturvereine, Wohlfahrtsverbände und Kirchen.

Insgesamt konnten im Rahmen der Projektlaufzeit in den drei beteiligten Kommunen 35 Mikroprojekte erfolgreich durchgeführt werden. Diese Mikroprojekte können den folgenden sechs Clustern zugeordnet werden:

  • Das soziale Miteinander befördern, um Separierung und Cliquenbildung bei Schüler*innen entgegenzuwirken.
  • Sprachbildung ermöglichen, um unzureichenden Sprachkompetenzen von Schüler*innen zu begegnen.
  • Unbekannte Abläufe und Regeln der Schule transparent machen und durch mehrsprachige Materialien vermitteln.
  • Berufliche Orientierung ermöglichen und Unkenntnis über das Ausbildungssystem bei Schüler*innen und Eltern abbauen.
  • Brücken zu außerschulischen Angeboten über Vereine etc. bauen und Unkenntnis über außerschulische Angebote bei Eltern und Schüler*innen begegnen.
  • Konfliktlösungskompetenzen und Resilienz stärken sowie spezifische Krisen, traumatische Erfahrungen, aber auch Risiken auffangen.

Die konkreten Praxisbeispiele mit ihren Erfahrungsberichten aus dem schulischen und außerschulischen Bereich finden Sie ausführlich unter Aktivitäten & Mikroprojekte.

Mehrwert der Förderung von Mikroprojekten:

Mit der Förderung von Mikroprojekten konnten viele konkrete und innovative Ansätze vor Ort erprobt werden, die zur Integration von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen in das Bildungssystem beitragen. Die Förderung sollte zudem einen Anreiz bieten, um Bildungsstrategien in der Kommune zu erproben und zu verfestigen. Vor allem wurden hierdurch aber neue Kooperationspartner*innen hinzugewonnen und die Kontakte für die weitere Zusammenarbeit im Rahmen des Konzeptes gefestigt.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass selbst geringe Förderbeträge für Aktivitäten oder Mikroprojekte hilfreich sein können, um das Ziel in der Kommune zu erreichen und Kooperationspartner*innen für die Umsetzung des Konzeptes zu gewinnen. Falls den Kommunen keine Projektmittel für Aktivitäten und Mikroprojekte dieser Art zur Verfügung stehen, können die Antragsteller*innen versuchen, andere Gelder der Kommune zu beantragen.

 

 

Verstetigung und Transfer

Einige der erprobten und sehr erfolgreichen Mikroprojekte und Aktivitäten konnten im Rahmen der Projektlaufzeit verstetigt und auf weitere Institutionen, Bezirke bzw. Kommunen transferiert werden, siehe Aktivitäten & Mikroprojekte.

Aufgabe der Projektleitung ist in diesem Schritt, konkrete Mikroprojekte und Ideen anhand der Ergebnisse der Bedarfsabfrage mit den (neuen) Kooperationspartner*innen zu organisieren. Dafür sind vor allem die folgenden Fragen relevant: (Fragen werden noch ergänzt)

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